Zeitgeschichte zum Anfassen

DDR-Zeitzeugenbesuch im Leistungskurs Geschichte

Ein besonderer Unterrichtsmoment erwartete den Leistungskurs Geschichte (K2) am 13. Januar 2026: Mit Detlev und Karla Fischer waren zwei DDR-Zeitzeugen bei uns zu Gast, die Geschichte nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus eigener Erfahrung erzählten.

Offen und eindrucksvoll berichteten die beiden von ihrem Alltag in der DDR, ihrem Fluchtversuch in den Westen über Ungarn und Jugoslawien 1982 und insbesondere von ihrer Haft. So erzählte Karla Fischer beispielsweise, dass sie sich im Frauengefängnis Hoheneck eine Zelle mit 47 anderen Frauen teilen musste, während Detlev Fischer in seiner Zelle im Zuchthaus in Cottbus in der Nacht kaum ein Auge zubekam, nachdem ein neuer Insasse in seine Zelle gekommen war und ihm seine hereingeschmuggelte Rasierklinge gezeigt hatte. Erst 1984 gelang den beiden die Ausreise in die Bundesrepublik im Rahmen des sogenannten Häftlingsfreikaufs – ein bewegender Wendepunkt in ihrem Leben, denn seitdem leben sie in Stuttgart.

Dank der Schilderungen wurde den angehenden Abiturient*innen deutlich, wie allgegenwärtig staatliche Eingriffe in der DDR waren und welch großen Mut es erforderte, trotz Angst und Konsequenzen in einer Diktatur eigene Entscheidungen zu treffen. Der Besuch von Detlev und Karla Fischer hinterließ damit einen bleibenden Eindruck und zeigte gleichzeitig, wie wichtig Zeitzeugengespräche für das Verständnis unserer jüngeren Geschichte, aber auch der heutigen komplexen Wirklichkeit sind.

Text und Foto: Piotr Unizycki