„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Helmut Kohl (1930-2017)
Unter diesem Leitgedanken stand unsere mehrtägige Fahrt nach Krakau und zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Nach einer langen Busfahrt in Krakau angekommen, begaben wir uns unmittelbar in das historische jüdische Viertel der Stadt. Im Rahmen einer Führung durch die engen Gassen des Stadtteils Kazimierz entdeckten wir Synagogen, Friedhöfe sowie das Gelände des ehemaligen Ghettos. Auf dem Ghetto-Helden-Platz erinnern heute siebzig Stühle symbolisch an die Verschleppung der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager. Ebenfalls aufschlussreich war der Besuch der Schindler-Fabrik. Die Ausstellung schildert eindrucksvoll die deutsche Besatzungszeit in Krakau und beleuchtet die bewegende Geschichte des Unternehmers Oskar Schindler, welcher zahlreiche Jüdinnen und Juden während des Holocaust vor der Deportation rettete, indem er sie in seiner Emaillewarenfabrik beschäftigte. Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es bedeutsam zu sehen, dass es trotz der damaligen Umstände auch Menschen gab, die Mut bewiesen und Verantwortung übernahmen.
Der Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz sowie des nahegelegenen Vernichtungslagers Birkenau bildete zweifelsohne den emotionalen Höhepunkt der Reise. Bereits beim Betreten des Geländes durch das Eingangstor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ herrschte eine bedrückende Stille. Beim Rundgang durch die Backsteinbaracken, in denen persönliche Gegenstände der Opfer wie Haare, Brille und Kinderschuhe zu sehen waren, überkam uns ein Gefühl der Fassungslosigkeit, da die von den Nationalsozialisten begangenen Gräueltaten auf erschütternde Weise greifbar wurden. Anschlieβend verlieβen wir das Stammlager und gingen in Richtung Birkenau, wo wir bei eisiger Kälte und frostigem Wind an den langen Gleisen vorbeiliefen, welche heute noch für die systematische Verschleppung und Ermordung von Millionen Menschen stehen. Besonders die Weite des Areals, die Reste der Baracken und die Ruinen der Gaskammern beeindruckten die Jugendlichen nachhaltig. Letztendlich waren wir von der Begegnung mit einer Zeitzeugin, mit welcher wir sprechen konnten, tief berührt. Zdzisława Włodarczyk war erst elf Jahre alt, als sie am 1. August 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Als uns die mittlerweile 93-jährige Überlebende davon erzählte, wurde das Unvorstellbare vorstellbar.
Die Gedenkfahrt hat bei allen Beteiligten tiefe Spuren hinterlassen. Viele Schülerinnen und Schüler berichteten von einem Gefühlswirrwarr aus Trauer, Wut und Hilflosigkeit. Etliche äuβerten zudem ausdrücklich den Wunsch, sich aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und jegliche Form von Menschenfeindlichkeit einzusetzen. Die inhaltlich anspruchsvolle und emotional herausfordernde Reise war für uns weit mehr als eine Studienfahrt. Sie wurde zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, aus welcher wir Lehren ziehen müssen, damit sich solches Unrecht niemals wiederholt.
Unsere Gedenkfahrt werden wir am Mittwoch, den 25. März 2026 im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus sowohl den Schülerinnen und Schülern ab Klasse 9 (5./6. Stunde) als auch den Eltern der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler (19.00-20.30) in der Schule präsentieren. Unter dem Namen „Auschwitz – unser Vermächtnis” werden wir Musikstücke, Zeichnungen, Fotos und Filme darbieten und Reden halten.
Wir möchten freundlich darauf hinweisen, dass diese Veranstaltung ausschlieβlich der Schülerschaft und der Elternschaft der mitreisenden Schülerinnen und Schüler vorbehalten ist. Es handelt sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung.
Text und Bilder: Caroline Blangero und Axel Nothardt
