Auschwitz-Gedenkfeier

Uns war es sehr wichtig, unsere Erfahrungen und emotionalen Erlebnisse von der Fahrt sowohl mit der Schulgemeinschaft als auch mit deren Eltern zu teilen. Zugleich haben wir unsere Erlebnisse in einer Präsentation aufge-arbeitet. Wir freuten uns, so hochrangige Gäste begrüßen zu dürfen: Herr Gemeindedirektor Rubinstein, Herr Ministerialrat Hocke, Herr Stadtrat Reger, Herr Stadtrat Ozasek, Frau Heiligenstühle, Frau Hensinger, Herr Dr. Kunkel von den AnStiftern, Herr Letsche (VVN-BdA), Frau Greth (Stolpersteine), Herr Bogen (Weißenburg e. V.) und Frau Stegmann (Zonta Club). Azoumi und Karla spielten zu Beginn das hebräische Lied „Hava Nagila“ auf ihren Violinen. „Hava Nagila” bedeutet „Lasst uns glücklich sein” und wurde 1918 von Abraham Zvi Idelsohn anlässlich der britischen Besetzung Palästinas geschrieben. Es wird gerne zu Hochzeiten oder Bar- bzw. Bat-Mizwa-Feiern gespielt. Der jüdische Gemeindedirektor Herr Rubinstein würdigte unsere Fahrt mit seinem Grußwort. Er erzählte, dass er sich als Student viel mit Auschwitz beschäftigt habe. Doch erst, als er selbst vor Ort war, habe er etwas gespürt, das er vorher nicht greifen konnte. Er erinnere sich an die Kälte, und ihm sei klar geworden: Das hier ist wirklich geschehen. Nicht als Zahl. Nicht als Kapitel im Geschichtsbuch. Sondern hier. Ein Aspekt unserer Reise hat ihn beson-ders angesprochen: die unterschiedlichen Perspektiven. Wir haben uns mit den Opfern beschäftigt, mit Kindern, mit Frauen, mit dem jüdischen Leben vor der Verfolgung. Wir haben uns aber auch mit den Tätern auseinandergesetzt und dabei unter anderem die Frage gestellt: Welche Entscheidun-gen wurden getroffen? Und wir haben auf die Gesellschaft geschaut: auf Helfer, auf Kollaborateure, auf Menschen, die selbst Opfer waren. Er ergänzte: „Erinnerung ist im Judentum kein optionaler Akt, sondern ein grundlegendes Prinzip. Das hebräische Wort ‚Sachor‘ – ‚Erinnere dich‘– zieht sich durch die jüdische Tradition. Erinnern bedeutet nicht nur, sich zu erinnern. Es bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, aus der Vergangenheit Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen. Die Vergangenheit ist Teil der Identität. In ihrem ersten Film fingen Charlotte, Margaux, Mathilda, Anaïs und Cora die noch leichte Stimmung in Krakau ein. Sie zeigten, wie wir im Restaurant Hamsa Mezze speisten, das goldene Dach der Wawel-Burg und die Stadt. Sie zeigten aber auch, wie der Guide im Schindler-Museum erklärte, wie mit den Polen umgegangen wurde, und wie leidenschaftlich das Trio Klezmer-Musik spielte. David und Corentin zeigten Zeichnungen, die sie in Krakau und im Lager Auschwitz angefertigt hatten. Zunächst wurde die Diashow von Christoph, Théo, Theo und Lia mit der Peer-Gynt-Suite unterlegt. Auch hier wurde zunächst Krakau gezeigt. Dann brach plötzlich die Musik ab und es wurden Bilder von Auschwitz gezeigt. In der Turnhalle war es drei Minuten lang still, so still wie bei einer Gedenkminute.

Ein Ort der Brutalität, der Unmenschlichkeit und des Todes In ihrer Rede verdeutlichte Sophie, wie viele Menschen ermordet wurden, und wies darauf hin, wie viele Einzelschicksale dahinterstehen, wie viele Menschen in Auschwitz leiden und sterben mussten. Auschwitz war ein Ort der Brutalität, der Unmenschlichkeit und des Todes. Heute ist es ein Ort der Trauer, des Erinnerns und des Nachdenkens. Besonders die Erzählungen von Zdzisława Włodarczyk haben sie schockiert. Sie berichtete von den katastrophalen hygienischen Bedingungen, dem extremen Hunger, der harten Zwangsarbeit und den unerträglichen psychischen und physischen Belastungen. Am erschütterndsten war für Sophie die Schilderung, wie Zdzisława Włodarczyk mitansehen musste, wie eine Mutter erschossen wurde und ihr Kind zu Boden fiel. In der Kurzgeschichte von Lou materialisiert sich plötzlich eine Gestalt. Eine Frau von etwa 25 Jahren. Ihr schulterlanges, blondes Haar ist furchtbar verfilzt. Auf der Brust ihres schwarzen Filzmantels leuchtet ein gelber, sechszackiger Stern. Sie beschreibt, wie sie zu Boden fällt und wie alle an-deren ihren Blick von ihr wenden. Damit drückt sie sehr gut die Gleichgültigkeit aus, mit der die Häftlinge dem Tod tagtäglich begegneten. Giulia und Clara hatten aussagekräftige Bilder vom Lager zusammengestellt. Jessibel und Frieda präsentierten ihre Zeichnungen. Frieda hatte das Klezmer-Stück in einer Zeichnung umgesetzt und hierzu noch ein Gedicht geschrieben. Hier ein paar Zeilen daraus: Von Menschen mit Liebe, Fürsor-ge, Hass und Wut – und all das vergraben, all diese nicht zu Ende erzählten Geschichten, als ob sie nie gewesen wären. Doch jeder Mensch, jede Seele, die an diesem Ort starb, ist mehr als nur ein Körper. Es ist ein Gesicht, das mal lächelte und schmunzelte, so wie ich es tue, wenn ich in der Sonne stehe, zu Hause, an einem Ort, an dem ich mich sicher fühle. Doch ihnen wurde all das genommen. Im zweiten Teil des Films waren Auschwitz und Birkenau zu sehen. Es waren Clips von lachenden Kindern und Erwachsenen zu sehen, bevor sie deportiert wurden. Geschickt wurde ein Schwenk zu den Tausenden Schuhen gemacht, die von den Hunderttausenden Menschen übrigblieben. Die düstere Atmosphäre einer Baracke und die riesige Fläche des Vernichtungslagers wurden eindrucksvoll in Szene gesetzt und mit den Worten unterlegt: „Dies ist der größte Friedhof der Welt. Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und eine Mahnung an die Menschlichkeit. Nie wieder!

Azoumi wies in ihrer Botschaft der Überlebenden darauf hin, dass hinter jeder Nummer ein Mensch steckt. Ein Mensch mit Familie, mit Hoffnungen, mit einem Leben, das brutal und für immer beendet wurde. Die Überlebenden haben uns ihre Geschichten anvertraut. Sie haben uns ihr Leid, aber auch ihre Hoffnung anvertraut. Die Hoffnung, dass so etwas nie wieder geschieht. Anschließend spielten Karla, Azoumi und ihre Mutter den von John Williams für den gleichnamigen Film komponierten Song „Schindlers Liste“. Vielen Dank an die Schülerinnen und Schüler, die sich so auf die Aufgabe eingelassen haben.

Text und Bilder: Caroline Blangero und Axel Nothardt