30 Jahre Tschernobyl – "Nein" zur Kernenergie

Am 26. Apr. 1986 sollte am Kernkraftwerk Tschernobyl ein Notfall simuliert werden, damit man auf den Ernstfall vorbereitet ist. Leider wurde aus der Simulation ernst und am Block 4 trat der GAU ein. Wie bei Fukushima am 11. März 2011 fiel das Kühlsystem aus und es kam zur Kernschmelze. Viele der Liquidatoren, die anschließend das radioaktive Material aufräumten, zahlten ihren Einsatz mit dem Leben. Zusammen mit den Opfern in der Bevölkerung, die ebenfalls an den Folgen von Krebs starben, geht man von bis zu 1 Millionen Opfer aus!

Zum 30. Jahrestag veranstaltete die UNESCO-Projektschule Berufsbildungswerk Neckargmünd einen Vortrag mit dem Experten Dr. Roland Bähr, der ein deutschlandweit gefragter Experte auf dem Gebiet der Kernsicherheit und Reaktorsicherheit ist. Die vierstündigen Physikkursen K1 und K2 des WBG besuchten diesen Vortrag.

Eine Schülerin nahm uns an der Schule sofort im Empfang und begleitet uns in ihrem Rollstuhl zum Vortrag. Von Herrn Bähr erfuhren wir, dass der Reaktor grafitmoderiert war, damit den verwendeten Kernbrennstäben nach der Energiegewinnung leichter das Plutonium zum Bau von Nuklearwaffen entnommen werden kann. Nach der Wasserstoffexplosion, die das Reaktordach in die Luft sprengte, brannte das Grafit. Mit dem Rauch des brennenden Grafits verbreiteten sich die radioaktiven Stoffe über ein weites Gebiet bis nach Deutschland und Skandinavien.

Wir ließen Luftballon aufsteigen, die mit den Namen von radioaktiven Isotopen wie Cäsium-134, Iod-139, oder Cer-141 beschriftet waren. Damit wollten wir ein Zeichen gegen jegliche Nutzung von Kernenergie setzten. Hier in Neckargmünd ist man sehr nahe an den Pannenmeilern Fessenheim (Frankreich) und Tihange (Belgien). Bei einem Unfall würde deutlich weniger Fläche verseucht, als bei Tschernobyl, da die Reaktoren Wasser moderiert sind. Doch leben in dieser Region viel mehr Menschen als bei Tschernobyl.

Spannend war es auch nebenbei mitzubekommen, wie diese Schule mit 2000 Schülern organsiert ist. Insbesondere weil sie sich auf die Inklusion körperlich beeinträchtigter Schüler spezialisiert hat. Als eine Rollstuhlfahrerin mit nach hinten gekipptem Rollstuhl eine Rampe herunter raste und eine elegante Vollbremsung hinlegte, blieb uns der Atem fast stehen.

In einer Abschlussrunde nahm uns Herr Bähr die Hoffnung, dass die Forschung bald das Energieproblem mit dem Nutzen von Fusionsenergie lösen. Leider ist eine Lösung nicht in Sicht, da sie auch nicht ganz harmlos ist. Er empfahl uns einen persönlichen Ausstieg aus der Kernenergie, in dem wir einen ökologischen Stromanbieter wählen.

Axel Nothardt