Welterbe Erde – Mach dich stark für Vielfalt

Ein Beispiel
Er kam in der Schule immer mit Mädchen besser aus als mit Jungen und verliebte sich dann genau wie sie in seinen Englischlehrer. In einem heterosexuellen Elternhaus auf dem Land aufgewachsen, konnte er keine Erklärung für seine Gefühle finden. Eine Beziehung, die er mit einem Mädchen hatte, endete schnell, da es ihm fad vorkam. In Australien wurde ihm in einer Bar bewusst, dass er homosexuell war. Bald verliebte er sich und heiratete den Mann seines Lebens, mit dem er jetzt schon 20 Jahre lang zusammen lebt. Vor einiger Zeit adop-tierte das Paar einen Jungen aus Vietnam.
Oft leiden Jugendliche darunter, dass sie jemand gleichgeschlechtliches lieben und betrachten sich deshalb als abnormal oder sogar krank. Selbstmord ist manchmal ein letzter Ausweg. Die Rate unter homosexuellen Jugendlichen ist gegenüber dem Schnitt aller Ju-gendlichen vier Mal höher.

Projekttag
Das Leitthema 2014 der UNESCO-Schulen „Mach dich stark für Vielfalt“, setzte die UNESCO-Gruppe unserer Schule unter dem Aspekt „Vielfalt der Liebe“ um. Liebe wurde im Ethik- und Religionsunterricht in den 9. und 10. Klassen besprochen. Die Gruppe ergänzte den Unter-richt mit Referenten, die zwei Stunden lang über ihre ersten Erfahrungen, über ihr Coming Out und über Diskriminierung als Homosexueller berichteten. Wir erfuhren, dass erst 1994 der §175 des Strafgesetzbuches abgeschafft wurde, der homosexuelle Handlungen mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestrafte. Für die Referenten – fast alle Lehrer an verschiedenen Schu-len – ist ein offener Umgang mit ihrer Sexualität wichtig. Sie machen auch vor ihren Schülern und Kollegen kein Geheimnis daraus. So können sie ungezwungen vom Wochenende mit ihrem Mann erzählen, ohne sich hinter Ausflüchten und Notlügen zu verstecken.
Die Schüler nutzten die Gelegenheit den Referenten Fragen zu stellen, die man sich sonst nicht traut zu fragen. Sie wollten wissen, ob sie in einer Beziehung sind, ob sie beschimpft werden, wie ihre Eltern reagierten, ob die Angst berechtigt ist, dass man zur Homosexualität oder zur Heterosexualität beeinflusst werden kann und vieles mehr. Auch wenn Jugendliche mit dem Thema offener als Erwachsene umgehen, wurde bedauert, dass „schwul“ weiterhin ein gängiges Schimpfwort auf dem Schulhof und auf dem Fußballplatz ist.

Fazit
Jugendliche sollten für ihre Identitätsfindung mit den unterschiedlichen Formen der Sexuali-tät im Unterricht sensibilisiert werden. Dies könnte im Zusammenhang mit den Werken von Andy Warhol, Freddie Mercury oder Thomas Mann geschehen. Wenn im Geschichtsunterricht der unzähligen jüdischen Opfern in Konzentrationslagern gedacht wird, könnten auch die über 10.000 Todesopfer nach §175 thematisiert werden. Die Schüler folgten dem Projekt mit großem Interesse und waren schockiert, dass die Refe-renten von Eltern schon als „Gefahr für die Schüler“ bezeichnet worden waren. Sie hoffen, dass unsere Gesellschaft toleranter wird.

Smartmob gegen Homophobie
Angeregt vom Unesco-Motto „Mach dich stark für Vielfalt“ veranstalteten am 14.7.2014 12 Schüler_innen der Unescogruppe aus Klassenstufe 9 auf dem Stuttgarter Schlossplatz um die Mittagszeit einen smartmob gegen Homophobie: Auf ein Signal hin umarmten sie sich, liefen Arm in Arm oder Händchen haltend über die Königstraße und verteilten 100 selbstgestaltete und –getextete Flyer (s. rechts) an verwunderte Passanten_innen, wobei die Reaktionen durchaus unterschiedlich ausfielen und von „Wie kann man euch unterstützen?“ über „“Sehe ich so aus?“ bis „Ich bin nicht schwul – brauche ich nicht“ reichten. Nach 40 Minuten waren alle Flyer verteilt, etliche Gespräche geführt und die Schüler_innen hochzufrieden mit ihrem außerunterrichtli-chen Einsatz gegen Homophobie.
E. Schäfer und A. Nothardt