„Politik? Nein danke! – Wozu politisch sein“

Immer weniger junge Menschen treten in Parteien bzw. deren Jugendorganisationen ein. Es scheint, als interessieren sie sich nicht für Politik. Woran kann dies liegen? Was hat die Politik bereits für mehr Jugendbeteiligung getan? Was hat sie falsch gemacht? Was muss sie in Zukunft tun, damit sich mehr Jugendliche für Politik begeistern?

Zu diesen Fragen wurden wir von der Action Courage Gruppe der SMV zu einer Podiumsdiskussion mit den Stadträten F.-J. Stradinger (CDU) und A. Winter (Grüne), Dr. M. Jantzer (SPD), A. Barth (Landeszentrale für Politische Bildung) und P. Schwarz (Schüler am WBG) eingeladen. In einem kurzen aber beeindruckend tiefgehenden Impuls schilderte Amélie (10c) ihre eigene Situation. Sie engagiert sich in ihrem Sportverein und in der SMV und nach vier Mal Nachmittagsunterricht bleibt ihr keine Zeit für Parteipolitik.

Dankbar griffen die Podiumsgäste diese Impulse auf. M. Jantzer sieht die Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre als einen Raub von einem Jahr Jugend. A. Barth stellte fest, dass die Jugendlichen sich sehr wohl für Politik interessieren und dafür einsetzen. Hier geht unsere SMV mit gutem Vorbild voran. Allerdings bekräftigte sie, dass die Parteipolitik eine geringere Rolle spielt. M. Winter fügte hinzu, dass die Jugendlichen sich lieber spontan politisch einsetzten als sich am langwierigen Prozess von Parteien zu beteiligen. Möglicherweise ist auch der Wohlstand für die Politikverdrossenheit verantwortlich. Hier mahnte jedoch A. Barth, dass es nur denjenigen hier gut gehe, die seit Generationen hier leben. Migranten hätten es eher noch schwerer als vor einigen Jahrzehnten.

F.-J. Stradinger erläuterte die wichtige Bedeutung des Jugendrates. Der Jugendrat hat vorwiegend eine beratende Funktion. Meistens setzt er durch, dass eine Buslinie eingeführt wird oder eine Skaterbahn gebaut wird. Doch wiesen alle einstimmig die Behauptung zurück, dass der Jugendrat nur etwas spielen dürfe, aber nicht richtig in der Politik mitgestalten könne. Man war sich einig, dass die Jugendlichen dort die Möglichkeit erhalten, mit den Politikern in Kontakt zu kommen. Wenn sie gute Argumente haben, folgt der Stadtrat gerne ihrem Rat. In Stuttgart verfügt der Jugendrat sogar über einen Etat von 150.000 Euro.

Nur die Frage, wie Jugendliche stärker von Parteien integriert werden könnten, blieb unbeantwortet. Es wurde betont, wie wichtig es ist, dass Jugendliche experimentieren dürfen und dass ihnen bei ihren Projekten Vertrauen und Freiheit gegeben werden. Denn meist ist der Schaden bei missglückten Projekten gar nicht so groß.

Herzlichen Dank an die Referenten, die sich die Zeit genommen haben mit uns zu diskutieren, an die Aktion-Courage-Gruppe (Semir, Sophie und Pascal) sowie an Hr. Riegger und Fr. Schäfer, die diese Diskussion organisiert haben.

Axel Nothardt