Bilinguales Seminar in Berlin (2019)

In der Woche nach den Faschingsferien ist die frankophone Gruppe der 9er nach Berlin gefahren. Am Bahnhof in Stuttgart waren wir alle sehr aufgeregt und voller Vorfreude. Die Fahrt war anstrengend, aber auch lustig und spannend, weil wir wegen eines Zugausfalls und folgender Überfüllung gedrängt im Gang eines ICEs stehen bleiben mussten. Nach ein paar Stunden saß dann der Großteil, während der Rest inzwischen auf den Koffern im Gang saß.

Wir waren also sehr froh, als wir endlich in Berlin angekommen waren, in der Jugendherberge die Zimmer bekamen und uns kurz ausruhen konnten. Danach sind wir noch in Grüppchen zu den Hackeschen Höfen gegangen. Das Abendessen, über welches wir uns nach einem kurzen Regenschauer, der uns hungrig und nass gemacht hatte, besonders freuten, bestand aus einem Salatbüffet, einem Hauptgang und einem Nachtisch.

Die Gestaltung des restlichen Abends wurde uns überlassen und es wurde ein geselliger Abend im Hotel. Die ersten Runden Wahrheit oder Pflicht konnten also schon am ersten Abend stattfinden.

Am nächsten Morgen gingen wir etwas müde nach einem reichhaltigen Frühstück zum Bundeskanzleramt. Vor Ort wurden wir durch einen Film vorbereitet und dann von einer Führerin umhergeführt. Das Gebäude ist großartig. Es ist modern und futuristisch und man hat vom 7. Stock, ein Stock unter Frau Merkels Büro, eine sehr schöne Aussicht. Anschließend aßen wir dort zu Mittag, bevor wir dann in der Topografie des Terrors auch eine sehr interessante Führung über das Gelände des jetzigen Museums in der Zeit des Nationalsozialismus erhielten. Natürlich führte kein Weg daran vorbei, zwischendrin einmal durch das Brandenburger Tor zu laufen. Vor dem wohlverdienten Abendessen liefen wir noch ein Stück an der East Side Gallery entlang.

Über den letzten Programmpunkt des Tages, die Schülerdisco im Club Matrix, waren einige sehr erfreut. Es war für alle die erste echte Disco. Wir blieben ca. 3 Stunden und einige hatten im Nachhinein keine Stimme und kein Gefühl in den Beinen mehr, erweckten aber den Anschein, als können sie noch ewig weitertanzen.

Am Mittwoch standen wir bei schönem Wetter vom Vorabend mittlerweile erholt etwas später auf, um an einer informativen und jugendfreundlichen Stadtführung teilzunehmen. Dabei sind wir unter anderem in einem Doppeldeckerbus, der aber eine ganz normale Linie war, gefahren. Während der Fahrt, die an vielen bekannten Orten vorbeiführte, bekamen wir einige Fakten über Berlin zu hören.

Eine lange Pause in der Mall of Berlin gab uns die Gelegenheit, noch zu essen und uns auszuruhen, bevor wir den Bundestag besuchten. Dort konnten wir bei einer Tagung von der Tribüne aus zuschauen. Im Anschluss hatten wir die Möglichkeit, mit Karin Maag, einer Bundestagsabgeordneten der CDU, die aus Stuttgart kommt, zu reden und ihr Fragen zu stellen, die wir im Voraus im Unterricht gemeinsam erarbeitet und dann aufgeschrieben hatten.

Einen wunderschönen, weitreichenden Blick über Berlin bei Nacht ermöglichte uns eine anschließende Kuppelbesichtigung. Über eine leckere Pizza beim Italiener freuten wir uns am Abend.

Es war ein anstrengender, aber auch spannender Tag gewesen und nachdem wir im Hotel angekommen waren, fielen wir alle in unsere Betten und schliefen fast direkt ein.

Am Donnerstag gingen wir zum Flughafen Tempelhof, der heute nicht mehr als ein solcher genutzt wird, sondern in dem einige Unternehmen bzw. Start-Ups ihren Standort haben. Wir erfuhren bei einer Führung sehr viel über die Nutzung vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Das graue Wetter unterstütze den teilweisen verlassenen, aber trotzdem imposanten Eindruck, den der vormals größte Flughafen des europäischen Kontinents bei uns hinterließ.

In einer Pause am Checkpoint Charlie ließen sich viele Berlins Klassiker, die Currywurst schmecken. Daraufhin gingen wir ins jüdische Museum, wo wir durch die Ausstellung über die aktuelle jüdische Bevölkerung geführt wurden. Diese Führung endete in einem Raum, auf dessen Boden viele flache, aus Metall ausgeschnittene Gesichter ausgelegt sind. Diese haben alle einen entsetzten oder angsterfüllten Gesichtsausdruck. Es war uns freigestellt, ob wir über diese Gesichter laufen wollten. Als einige es taten, waren laute Töne zu hören; es war das Klappern des Metalls, aber es wurde von uns als Schreie interpretiert, die Schreie der verfolgten Juden. Der Architekt hatte sich mit diesem Raum, sowie mit dem gesamten Gebäude, etwas einfallen lassen, über das alle nachdenken und das einen starken Eindruck hinterlässt.

Fast ebenso beeindruckend war der Blick über Berlin bei Nacht vom Fernsehturm, der uns abends dank einer eher spontanen Entscheidung unserer Begleitlehrerinnen ermöglicht wurde.

Unser letzter Tag begann mit der sehr bewegenden und der lehrreichsten Führung dieser Woche. Ein Zeitzeuge führte uns durch das Stasi Gefängnis Hohenschönhausen und schilderte seine Zeit und seine Erlebnisse dort, aber auch im Allgemeinen seine Erfahrungen in der DDR, unter anderem seinen Fluchtversuch. Diese Erzählungen lösten in uns Schülern viele gemischte Gefühle aus, da das, was er erzählte, für uns unglaublich und teilweise unvorstellbar grausam war. Es war so still, wie noch bei keiner Führung diese Woche, aus Respekt unserem Zeitzeugen gegenüber. Das sind so Momente, an denen man über die schlimme Vergangenheit Deutschlands nachdenkt und sich über das Glück, dass es heute so friedlich ist, klar wird. Unsere heutige Freiheit und Sicherheit waren damals nicht selbstverständlich.

Insgesamt war diese Fahrt sehr informativ und interessant. Wir haben auf abwechslungsreiche Art viel Neues gelernt. Wir waren am Ende alle etwas müde, unter anderem wegen der für viele Schüler neuen Situation, in einer solchen Großstadt wie Berlin unterwegs zu sein, aber auch wegen eines ziemlich straffen Zeitplans. Die Kälte, das ständige Laufen und die dauerhaft benötigte Konzentration und Geduld machten die Woche noch anstrengender.

Wir haben schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen und diese Woche ist eine solche Woche, über die man noch Jahre lang redet und an die man sich immer gerne erinnert.

Ein großer Dank geht an Frau Felsmann, die diese ganze, unvergessliche Woche organisiert hatte. Außerdem richtet sich unser Dank an Frau Wielandt und Frau Blangero, die uns begleitet haben und auch ein paar Extra-Programmpunkte spontan geplant haben.

Noa und Sophie (9c)