Bericht vom Israelaustausch – 1. Teil 2019

Wir, eine Gruppe aus 16 SchülerInnen, hatten das Glück dieses Jahr an einem Israel-Austausch teilzunehmen. Frau Schäfer und Frau Kerlen haben uns auf dieser Reise begleitet. An großes Dankeschön an dieser Stelle an die Beiden. Sie haben sich mehrmals nachmittags mit uns getroffen um uns auf den Austausch vorzubereiten und haben sehr viel organisiert.

Am 19. Mai war es dann soweit. Nach Fragen am Flughafen, wie „Wer hat Ihren Koffer gepackt?“ und „Gehören Sie einer Gruppe an, die als terroristisch eigestuft wird?“, wurden wir herzlich mit Luftballons, Schildern und Muffins empfangen.

Wir sind zwei Wochen lang mit dem Bus an viele Orte gefahren und hatten das Vergnügen, ganz Israel vom Norden bis zum Süden zu sehen. In Haifa haben wir die deutschen Siedlungen besucht und die Schönheit der Terrassengärten der Bahai bestaunt. Unglaublich aber wahr, in der „weltmaßstablichen“ [Zitat Infofilm] Kreuzritter- und Festungsstadt Akko haben wir mit einem waschechten digitalen Tempelritter die Stadt näher kennengelernt und dabei erfolgreich Medaillen gesammelt. Nicht weniger weltmaßstablich war Tel-Aviv. Die bunteste, offenste und modernste Stadt Israels. Unsere Partnerstadt Ramat Gan ist hingegen für das höchste Gebäude, das „City-Gate“, berühmt und berüchtigt. Beim Anblick von Jaffa, Tel-Aviv und Ramat Gan aus 244 Metern wurde dem einen anderen plötzlich bewusst, dass er doch Höhenangst hat. Natürlich waren wir auch in Nazareth und Jerusalem: Dort haben wir unter anderem die Verkündigungsbasilika und die Grabeskirche besichtigt, die Klagemauer und Mea Shearim [ein Viertel, in dem hauptsächlich ultraorthodoxen Juden wohnen] gesehen. Wir sind Jesu Spuren gefolgt, haben geklagt und - selbstverständlich - Falafel gegessen.

Typisch israelisch waren auch die Nacht im Kibbuz, das Übernachten im Wüstencamp samt Kamelritt in der Wüste und das Essen auf den Märkten. Wie man sehen kann, kam der Spaß mit unseren Austauschpartnern nicht zu kurz. Nennenswert waren vor allem die Stunden am Meer, das Schnorcheln und das Grillen auf einer Yacht.

Was aber zu kurz war, war der Besuch am Toten Meer. Das lag aber nicht am straffen Zeitplan, sondern an defekten Stranduhren. Die gefühlten fünf Minuten im Wasser beim „Floaten“ waren durch die vorgehenden Uhren tatsächlich nur fünf Minuten. Länger hätten wir die Hitze von 45°C wohl sowieso nicht ausgehalten.

Bei einer ähnlichen Hitze besuchten wir ohne die Israelis die mit intakten Mienen bespickten Golanhöhen. Generell muss man aber sagen, dass die Situation in Israel friedlicher war als erwartet. Friedliche und gute Beziehungen zwischen Israelis und Deutschen waren nicht immer gegeben. Das wurde uns in Yad Vashem besonders klar. Yad Vashem ist eine Holocaust-Gedenkstätte, die in drei Teile gegliedert ist: die Täter, die Opfer und die Kinder. Es war bedrückend und eindrucksvoll zugleich zu sehen, was das Böse im Menschen und eine stumme Gesellschaft anrichten können. Es wurde einem noch nie so deutlich wie an diesem Ort. Kein Geschichtsbuch hätte uns besser als unser Guide vermitteln können, aus welcher Situation das alles entstanden ist und wie plötzlich die Menschen aus ihrem Leben gerissen wurden. Die schwarz-weißen Vorstellungen wurden farbig als wir rote Kinderschuhe sahen und uns die Geschichte dahinter vorstellten. Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass sich all das nicht wiederholt und nicht in Vergessenheit gerät. Gerade in der heutigen Zeit schauen zu viele bei Ungerechtigkeiten weg, statt aus dem Geschehenen zu lernen. Unser Guide erinnerte uns auch daran, dass wir die Möglichkeit, unser Leben zu leben wertschätzen sollten, weil genau das den Holocaust-Opfern verwehrt wurde.

Wir sind zu einer tollen Gruppe zusammengewachsen. Das gemeinsame Essen, die Sonnenuntergänge am Meer und die Singingsessions von deutschen Liedern von Culcha Candela, Cro und Co. in unserem Partybus bleiben unvergessen.

Sivany und Amélie (K1)

Jugend-Austausch mit Israel 1. – 16. März 2014

Tel Aviv
Eilat - Rotes Meer
Timna Park
Wüste Negev
Klagemauer
Yad Vashem

Im März dieses Jahres machten wir, 16 Schüler der Kursstufe 1 in Begleitung von Frau Bär und Herrn Riegger, uns auf den Weg ins ferne Israel – der zweite Teil des Jugend-Austausches, der in Kooperation mit dem Stadtjugendring stattfand. Schon Monate zuvor bereiteten wir uns intensiv auf das Land und die Kultur vor. Am 1. März ging es dann endlich los, morgens um sechs trafen wir uns am Flughafen in Stuttgart und begaben uns auf einen fünf stündigen Flug nach Tel Aviv. Am Flughafen wurden wir herzlich von unseren Austauschschülern empfangen. Der restliche Tag wurde zum Kennenlernen der Gastfamilien genutzt. Nach einer kurzen Nacht ging es am Sonntag mit einer Stadttour durch unseren Wohnort Ramat Gan, einer Stadt, direkt an Tel Aviv angrenzend. Danach ging es nach Tel Aviv selbst weiter. Höhepunkt hierbei war das höchste Gebäude Israels, das 244 Meter hohe City Gate Ramat Gan, auf welches wir dank Sondergenehmigung durften. Leider war durch einen Sandsturm aus der Wüste die Sicht nicht gut. Am darauf folgenden Tag fuhren wir mit unsrem Privatbus in die heilige Stadt Jerusalem. Unser Tourguide leitete uns vom Ölberg zur Grabeskirche, bis hin zur weltweit bekannten Klagemauer, in welcher wir unsere Gedanken und Wünsche festhielten. Am Abend verließen wir Jerusalem mit neuen Eindrücken und Erfahrungen und begaben uns am nächsten Morgen in das Museum Yad Vashem, wo wir uns ausführlich mit unserem Austauschthema, der Erinnerung an den Holocaust, auseinandersetzten. Wir bekamen eine sehr gute Audio-Führung hatten ein eindrückliches Erlebnis. Die anschließenden Tage verbrachten wir im Norden Israels. Wir besuchten die Hafenstadt Akko und nächtigten in einem Kibbuz. Die erlebnisreiche Woche wurde am Wochenende mit zwei freien Tagen mit unseren Familien beendet. Die zweite Woche startete mit dem langersehnten Trip in den Süden. Auf dem Weg dorthin schwammen wir im Toten Meer, bevor es über Nacht in ein Beduinendorf in die Wüste ging. Nach einem Kamelritt durch die Wüste am nächsten Morgen brachen wir zu unserem mit Vorfreude erwarteten Ziel Eilat auf. Dort schnorchelten wir im Roten Meer und machten eine Yacht-Tour. Nach drei wunderschönen Tagen mit endlich sonnigem Wetter verließen wir unseren persönlichen Höhepunkt der Reise, um zurück zu unseren Familien nach Ramat Gan zu fahren. Die letzten zwei Tage wurden noch einmal freigestellt, um mit unsren Gastschülern das Purimfest zu feiern – ein weiterer Höhepunkt der Reise. Am 16.3. hieß es dann schließlich Abschied nehmen. Am frühen Mittag flogen wir zurück nach Stuttgart, wo uns unsere Familien sehnsüchtig erwarteten. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer können auf 16 erlebnisreiche Tage zurückblicken, in denen wir wertvolle Erfahrung sammeln durften. Christian und Daniel (K 1)

Besuch aus Ramat Gan (Israel)

Empfang
Pizzaessen
Begrüßung
Begrüßung
Gruppenbild
Zeitzeugen
Zeitzeugen
Ludwigsburg
Dachau
München
Abreise

Mittwoch, 10. Juli 2013 am Frankfurter Flughafen um 10.15 Uhr: 18 Jugendliche warten in Terminal 1 im Bereich C, dort wo „Ankunft“ angeschrieben ist. Sie sind leicht angespannt, bei manchen ist eine gewisse Nervosität nicht zu übersehen, und doch sind sie freudig erregt, erwartungsvoll aufgekratzt. Kein Wunder, denn sie warten auf 18 Jugendliche aus Ramat Gan in Israel, die gleich durch die Schiebetür kommen werden, sicherlich ebenso freudig aufgeregt. Es sind ihre Austausch-Partner, die für die nächsten 11 Tage, bei ihnen wohnen werden. Es werden 11 intensive Tage sein, die alle Beteiligten so schnell nicht vergessen werden.

Es ist eine Premiere für das Wagenburg-Gymnasium. Zum ersten Mal gibt es einen Jugend-Austausch mit Israel. Zum ersten Mal kommen israelische Jugendliche in die Landeshauptstadt, leben in Familien und lernen Stadt, Land, Kultur und Mentalität der Menschen in Stuttgart kennen. Und zum ersten Mal fahren 16 und 17-jährige Jugendliche aus Stuttgart nach Ramat Gan in Israel, um dort Stadt, Land, Kultur und Mentalität ihrer neu gewonnenen Freunde zu erleben. Und noch etwas ist Premiere bei diesem Austausch: Es ist eine Kooperation mit dem Stadtjugendring Stuttgart. Über ein Jahr haben die beiden Begleitlehrer Ulrike Bär und Johannes Riegger mit Alexander Schell, dem Referenten für politisch-historische Jugendbildung, das Programm geplant und in vier Vorbereitungstreffen die Teilnehmer auf die Begegnung inhaltlich eingestimmt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es wurde in der Ameisenbergschule gemeinsam gekocht, das Residenzschloss in Ludwigsburg besucht, die Laichinger Tiefenhöhle auf der Schwäbischen Alb erkundet, zu Swing-Musik Lindy Hop getanzt, im Konstanzer Strandbad im Bodensee geschwommen und den Einzelhandel in der Münchner Innenstadt besichtigt. Für Nadav, den israelischen Betreuer, stellte der Empfang im WBG das Highlight dar: „The heart warm welcome that we received by the school singing for us was just wonderful and something I will take with me for years to come.“

Die thematische Klammer war aber die Auseinandersetzung mit den Verbrechen während der NS-Zeit. Es gab einen historischen Stadtrundgang durch Stuttgart und einen Workshop zu verschiedenen Erinnerungsformen sowie die Besuche in den Gedenkstätten Grafeneck und Dachau. Yannic beschreibt das Erlebte so: „Das wichtigste der 11 Tage war der Besuch im ehemaligen Konzentrationslager in Dachau. Die gemeinsame Zeremonie war sehr emotional und hat die Gruppe eng zusammengebracht. Letztes Jahr waren wir mit der Schule dort, aber der Besuch jetzt war etwas völlig anderes. Mit den Nachfahren der Opfer dort zu sein, verändert alles. Jetzt erst habe ich verstanden, worum es geht.“ Es bleibt für deutsche Jugendliche etwas Besonderes, an einer Begegnung mit Israelis teilzunehmen. Vor allem, weil das offene Interesse am Gegenüber die Gemeinsamkeiten freudig aufdeckt und die Unterschiede erkennen lässt, sie aber nicht zu wichtig nimmt. So haben Deutsche und Israelis eine intensive und erlebnisreiche Zeit zusammen verbracht. Oder wie es Charlotte ausdrückt: „Die Zeit mit den Israelis war zwar anstrengend, weil wir immer auf den Beinen waren, aber etwas ganz Besonderes. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Sie sind so witzig. Und ich habe gemerkt, dass sie im Prinzip genauso sind wie wir.“

Jetzt allerdings heißt es für die 18 Teilnehmer warten, noch sechs lange Monate. Denn erst im März 2014 findet der Gegenbesuch in Ramat Gan statt. Erst dann können sie ihre Austausch-Partner wieder sehen. Dann werden sie am Stuttgarter Flughafen bei „Abflug“ anstehen, um loszufliegen Richtung Israel, sicherlich nicht minder aufgeregt als am 10. Juli 2013.

Johannes Riegger, 08.September 2013

Artikel in der Stuttgarter Zeitung