Fairtrade Town Stuttgart

Fair Trade Town Stuttgart Kinder brechen in Indien riesige Granitblöcke frei, die zu Pflaster- und Grabsteinen verarbeitet werden. In Bangladesch nähen junge Frauen Woche für Woche 70 Stunden lang Kleider in baufälligen Hallen. Arbeiter auf Kaffee- und Bananenplantagen werden durch die eingesetzten Gifte impotent. Und dies alles findet statt, damit wir im Westen etwas angenehmer leben. Während die Gründer der ersten Dritte-Welt-Läden vor 40 Jahren von vielen belächelt wurden, kann heute jeder den Wunsch nach fair gehandelten Produkten verstehen. So wurde die Königsstraße mit deutschem Granit gepflastert, um Kinderarbeit auszuschließen und im Rathaus wird fair gehandelter Kaffee getrunken. In immer mehr Städten tragen Beamte fair gehandelte Uniformen.

Bereits 17 von 23 Stadtteilen Stuttgarts erfüllen die Bedingungen, um sich fairer Stadtteil nennen zu dürfen. Aus diesem Grund wurde am 2. Oktober die ganze Stadt Stuttgart als „Fairtrade Town“ von der TransFair Gesellschaft ausgezeichnet. Das Wagenburg-Gymnasium wurde eingeladen, zu diesem Anlass einen Verkauf von Mango-Produkten zu organisieren. So zogen Anna, Lilli, Rosalie und Clara (Klasse 10c) mit einem Leiterwagen durch die Fußgängerzone. Hierzu wurden sie offiziell von der Organisation DWP(Dritte Welt Partner) eingewiesen, die die Produkte fair von den Philippinen (siehe Shay Cullen) beziehen. Anschließend betrieben sie einen Stand im Rathaus.

Stuttgart-Ost wird ebenfalls am 29. November als fairer Stadtteil zertifiziert. Die Bedingung war, dass mindestens zehn Geschäfte und fünf Gastronomiebetriebe und eine Schule fair gehandelte Produkte führen und Bildungsarbeit zu diesem Thema betreiben. Wir schenken bereits Fairtrade - Kaffee aus, spielen mit Fairtrade-Bällen, unsere Schul-T-Shirts sind von der Fair-Wear-Foundation (FWF) zertifiziert und im Karzer werden fair gehandelte Mango-Produkte (Saft, Fruchtgummis, getrocknete Mangos,…) verkauft.

Trotzdem haben wir noch einiges zu tun. Noch immer wird auch am Wagenburg-Gymnasium Schokolade verkauft und verschenkt, deren Anbau die Lebensexistenz von Menschen und Tieren gefährdet, noch immer werden Hefte beschrieben, deren Herstellung Regenwald für immer zerstört, obwohl die SMV zum Selbstkostenpreis Umweltschutzhefte verkauft und für die neuen Medien ist eine faire Beschaffung noch nicht einmal möglich.

Hoffentlich werden in der Fairtrade-Town die Pseudozertifizierungen enttarnt. Wussten Sie, dass Hefte, die mit „Sauerstoff gebleicht“ sind, mit dem aggressiven Wasserstoffperoxid behandelt sind, dass für die Herstellung der Kleider, die mit der Zertifizierung „Textiles Vertrauen“ werben dürfen, durchaus Pestizide eingesetzt werden? Wussten Sie, dass der WWF sogar Firmen mit „Rainforest Alliance“ zertifiziert, die Gensoja anbauen oder Meere überfischen? Axel Nothardt