Blaue Hände gegen Ausbeutung

Dank Globalisierung können wir frische Mangos aus Übersee essen, trinken morgens Kaffee und genießen leckere Schokolade. Selbst Geräte, die heute keiner mehr missen will, wie das Handy oder das iPhone, wären ohne ein globales Handelsnetz nicht denkbar. Doch liegen die Produktionsstätte für uns so unerreichbar, wie einst die Olivenhaine für die Römer oder die Plantagen für die Kolonialisten.

Fast jeder der 600 versammelten Schüler und Kollegen besitzt mindestens ein Handy. In jedem befinden sich 0,034g Gold, das mit Quecksilber aus dem Gestein herausgelöst wird. Da Abraum und vergiftetes Gestein vor den Minen Südafrikas vermischt werden, fallen 100 kg Gestein pro Handy an. Ebru aus der 9a stellte hierzu vom Podium aus fest, dass somit für unsere Handys 60 t Gestein, also 4 LKW Ladungen anfallen, in denen wir alle Platz gefunden hätten.

Hintergrund:
Sehr interessiert und engagiert lernten die Schüler die Schattenseiten der Handyproduktion aus Faltblättern kennen (Was kostet dein Handy wirklich?). Viele Rohstoffe für das Handy werden in Entwicklungsländern von Kindern im Alter unserer Schüler abgebaut, die schwere Gesundheitsschäden erleiden (Handy aus Gold). Chinesische Arbeiter erhalten für die Fertigung 35 Ct Stundenlohn, wobei sie oft 12 Stunden am Tag in giftigen Lösemitteldämpfen arbeiten müssen und in Wohnsiedlungen gepfercht leben (Hallo ,Hier China). 400 Schiffscontainer mit IT-Schrott wie Handy, Computer, Monitore,… landen monatlich in Ghana. Kunststoffe werden über offenen Feuern abgeflammt. Anschließend löst man mit Säuren die Platinen in offenen Bottichen an, um mit Quecksilber wieder an die Rohstoffe zu gelangen (Make IT Green). Hierzu erstellten die Schüler Plakate und Folien. Für die Eltern hatten wir die wichtigsten Informationen zu den Problemen und den Lösungen in einem Flyer zusammengestellt. Sybille Neth berichtete in dem Artikel "die blutigen Geschäfte mit Handys" in der Stuttgarter Zeitung über unser Projekt. Diesen Artikel ist besonders lesenswert.

Wer stopp den Raubbau an Mensch und Natur:
In einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von der Umwelthilfe, Greenpeace, Telekom und O2 stellte Frau Plato vor 160 Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe die Situation in ihrem Heimatland Kongo vor. Zurecht bedauerte Herr Fath von Telekom, dass der Verbraucher, oft nur „geiz ist geil“ im Kopf hat und das einzige Umweltfreundliche Handy, dass sie von Nokia vertreiben, verschmäht. Wobei er auch zugab, dass Nokia kein echtes Interesse an Werbung für dieses Handy hatte. Hier stellte Herr Holzmann von der Umwelthilfe richtig, dass dieses Handys deutlich geringere Leistungsmerkmale hat. Denn es gab auf die Internet Ente des Apple iPhones (conflict free) eine große Nachfrage. Die Vertreter stellten sich auch den interessierten Fragen der Schüler. Eine Schülerin fasste die Thematik mit dem Satz zusammen: Ich möchte kein Handy kaufen, selbst wenn es „umweltfreundlich“ ist, wenn damit Kinderarbeit und Menschenausbeutung verbunden ist.

Filme zum Thema

Netter Spot zur Globalisierung: Schön Fäber
Mit schwarzem Humor zum Thema Kinderarbeit: Kochsendung