Weltraumkonferenz im Haus der Wirtschaft

Am Dienstag 5. November nahm die Klasse 10a mit 600 weiteren Teilnehmer*innen an der Weltraumkonferenz im Haus der Wirt-schaft teil, die von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) organisiert war. Aufgrund des Hauptgastes Walter Cun-ningham war die Konferenzsprache Englisch.

In einer Videoansprache vermittelte uns Johann-Dietrich Wörner, der Präsident der European Space Agency (ESA), die ambitionierten Vorhaben in der Raumfahrt mit der Präsentation „Moon Village and Moon Exploration“. Zum Beispiel sollen Radioteleskope in Mondkrater eingebaut werden und Erze, die auf der Erde sel-ten vorkommen, sollen mit Robotern abgebaut werden. Nach seinen Worten soll dies schon bald Realität werden.

Walter Cunningham flog 1968 in der Apollo 7 mit seiner Crew als erstes um den Mond, um die Landung der Apollo 11 im folgenden Jahr vorzubereiten. Für uns war es ein bewegender Moment, den 87- jährigen Pionier der Raumfahrtgeschichte noch ken-nenlernen zu dürfen. Cun-ninghams Definition von Abenteuer beinhaltet auch die Bereitschaft das Leben zu riskieren. Anhand eines Bildes von Kollegen schilderte er dies dramatisch. Auf dem Bild waren die drei Mitglieder der Apollo 1 Mission zu sehen, die alle drei in einem Feuer in der Kommandokapsel noch auf der Startrampe ums Leben kamen. Die Crew von Cunningham war als Ersatzmannschaft für diese Mission gedacht. Weitere Astronauten kamen bei diversen Tests ums Leben, so dass er etwa die Hälfte seiner Kameraden verlor. Er stellte fest, dass unter diesen Voraussetzungen seine Vergütung von $600 für den mehrtägigen Flug mehr als Bescheiden war. Aber ihn hat immer das Einzigartige an der Mission gereizt.

Matthias Maurer (ESA) wird als nächste deutsche Astronaut 2021 zur ISS aufbrechen. Er hält es für möglich, dass in fünf Jahren eine Amerikanerin und ein Amerikaner wieder den Mond betreten. Maurer stellte uns in seinem Vortrag „Going Forward to the Moon to Stay“ eine interessante Alternative zum Aufbau eines Moon Village dar. Der Mond hat keine Atmosphäre, die die kosmische Strahlung abschirmt. Dies ist für die Radioastronomie gut, da die Wellen ungehindert detektiert werden können. Für die Astronaut*innen ist jedoch die Gammastrahlung, die eben-falls nicht gehindert wird, lebensgefährlich. Deshalb muss ein Moon Village aus festen Habitaten bestehen,

die bisher aufwändig mit 3D-Druckern aus Sand konstruiert werden sollen. Jetzt gibt es die Idee die Lavatunnel, die auf dem Mond natürlich vorkommen, zu nutzen. Hierzu trainierte Maurer bereits in einem Höhlenforscher-Camp auf Lanzarote. Die Strukturen auf Lanzarote sehen zum Verwechseln mit denen auf dem Mond aus. Er trainierte auch schon für den nächsten Sprung zum Mars. Bei den Mondmissionen kommunizierten die Astronaut*innen ständig mit der Erde, von wo aus der Überblick besser war. Das Funksignal braucht hier nur 2 Sekunden. Beim Mars dauert es 40 Minuten bis das Signal ankommt. Bei dem Unterwassertraining NEEMO forschte Maurer mit einer künstlichen Zeitverzögerung bei den Signalen von 40 Minuten. Sein Auftrag bei der Mission war es, nebenbei künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln, die bei einer solchen Zeitverzögerung essentiell wird.

Ein Wehrmutstropfen bleibt. Die UDSSR hat bereits 1963 die erste Kosmonautin in den Orbit gesendet und 1999 stand das Space Shuttle unter dem Kommando einer Amerikanerin. Mit Maurer verpasst der DLR zum 12. Mal die Chance eine deutsche Astronautin starten zu lassen.

Während der Tagung wurden wir mit einem beeindruckenden Buffet verwöhnt. Ein Modell des Mondautos, der Raumfahrer*innenanzüge sowie deren Unterwäsche waren aus dem Technikmuseum in Speyer geliehen worden. Die Astronauten-Unterwäsche ist aufgrund eines ausgeklügelten Kühl- und Heizsystem sehr aufwändig.

Axel Nothardt

 

Konferenz mit Moonwalker Charles Duke

Am 7. November 2017 nahmen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a und 9b vom Wagenburg-Gymnasium an der 7. Raumfahrt Konferenz im Haus der Wirtschaft teil. Bei dieser hochkaräti-gen Konferenz nahmen neben einigen Wissenschaftler auch sechs Astronauten teil. Im Bild zu sehen von rechts nach links Reinhold Ewald (Mir), Samantha Cristoforetti (ISS), Charles Duke (Apollo-16), Ulf Meerbold (Mir), Thomas Reiter (Mir, ISS) und leider nicht im Bild Ernst Messerschmidt (Space Shuttle). Im Bild sind auch zwei Raumfahrtstudenten, die eine anschließende Podiumsdiskussion bereicherten. Zum Auftakt wurde Thomas Reiter für seine Verdienste in der Raumfahrt mit der Eugen Sänger Medaille ausgezeichnet, die als höchste Ehrung für deutsche Astronauten gilt. Thomas Reiter erläuterte dann, wie eine dauerhafte Besiedlung des Mondes (moon village) aussehen könnte. Er wies auf die Wichtigkeit hin, dass die beteiligten Forschungsgruppen in Teilbereichen autark agieren sollten. Die Mondbesiedlung wäre das Sprungbrett für eine Besiedlung des Mars. Allerdings warnte er vor der größeren Entfernung. Bei technischen Ausfällen, Krankheiten oder psychischen Erkrankungen wäre die Fähre oder der Astro-naut nach einer Woche vom Mond zurück auf der Erde. Der zwei Jahre dauernde Flug vom Mars hingegen könnte zum Verhängnis werden. Das Highlight war Charles Dukes Präsentation über seine Mondlandung 1972 mit Apollo 16. Er zeigte Filmaufnahmen, die er und sein Kommandeur Young damals mit seiner Hasselblad gedreht hatten. Dazu plauderte er wie aus dem Nähkästchen. Ein Ausschnitt zeigte ihn, wie er mit einer Apparatur in der Hand stürzte. Er scherzte nur, dass er dabei 2 Millionen Dollar Steuergelder in den Sand, bzw. in den Mondstaub gesetzt hatte. Der Mondstaub ist so fein, dass er sich fest mit dem Gewebe ihrer Anzüge verband. Deshalb waren ihre strahlend weißen Anzüge schon nach wenigen Stunden auf dem Mond grau. Auch auf seiner Kamera sammelte sich Staub an. Im Nachhinein kam er sich albern vor, weil er versuchte ihn wegzupusten, natürlich durch das geschlossen Visier. Weil damals die Olympischen Spiele in München stattfanden, wollte er sich auch sportlich betätigen. Er sprang in die Höhe und salutierte. Dabei fiel er nach hinten. Sein Tornister hätte diesen Sturz nicht überstanden, doch konnte er sich gerade noch zur Seite drehen und einen wahrscheinlich tödlichen Unfall vermeiden. Er brachte die wohl teuerste Unterwäsche mit. In sie sind Schläuche eingearbeitet, in denen Flüssigkeiten fließen, die die Körpertemperatur des Astronauten regeln. Eine Luft- und Raumfahrtstudentin wollte von Samantha Cristoforetti wissen, ob sie als eine der wenige Astronautinnen bei den Leuten nicht oft auf Bewunderung aber auch auf Unverständnis treffe. Sie erwiderte, dass natürlich beides vorkommt. Es sollte jeder den Beruf für sich finden, der sie oder ihn erfüllt. Sie möchte alle aber insbesondere Frauen ermuntern, Ingenieurwissenschaften und ganz besonders Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren. Da die Region Stuttgart in der Luft- und Raumfahrt führend ist, wurde diese Tagung, die sich vor allem an die Studenten richtete, hier abgehalten. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit ist, um die immensen Aufgaben erfüllen zu können. So entstehen Brücken zwischen allen Nationen. Die Entwicklungen dienen nicht nur dazu, das Weltall sondern auch unsere Welt und unsere Umwelt besser zu verstehen. Axel Nothardt