Kanustudienfahrt in Mecklenburg

Am So. 9. Juli holten uns die Busfahrer Branko und Daniel am WBG ab. Die Fahrt verlief ruhig durch die Nacht, so dass alle ausgeruht aufwachten, als die Sonne ihre ersten Strahlen über die Felder von Mecklenburg sendete. Sogleich fiel uns auf, dass hier die flache Landschaft mit ihren unzähligen Seen geologisch anders als unser Süden geformt wurde. In einem Referat erfuhren wir, dass in der letzten Eiszeit vor 50.000 Jahren die Gletscher, die von Skandinavien bis in die Norddeutsche Tiefebene reichten, das Land abschliffen. Das glaziale Eis transportierte Granitsteine von Skandinavien bis hierher, so dass das einzige aufliegende Gestein in Mecklenburg aus der Fremde stammt.

 

Obwohl wir am Montagmorgen zu früh am Camp ankamen, wurden wir sogleich von dem noch schlaftrunkenen Guide begrüßt. Er versorgte erstmal unser Gepäck und riet uns die Stadt Mirow aufzusuchen, um letzte Besorgungen vor der großen Kanutour zu tätigen und eventuell zum Frühstück etwas Habhaftes zu bekommen.

Gestärkt und für die nächsten Tage ausgestattet kehrten wir aus Mirow wieder und machten noch einen Zwischenstopp am Badestrand. Das flache Wasser war warm genug. Etwas unheimlich war es auf dem torfigen Boden ins Wasser zu gehen, doch entschädigten uns die Seerosenblüten die zwischen ihren großen Blättern trieben. Bei einer Partie Beachvolleyball wurde klar, diese Studienfahrt steht im Zeichen des Sports.

Durch einen schmalen Bek (Wasserkanal), bei dem wir ganz dicht an Baumwurzeln vorbei und unter schrägen Bäumen hindurchfuhren, gelangten wir an den Schulzensee. Einem Haubentaucher wurde unser Aufgebot doch zu viel, so dass er mit seinen kleinen Küken im Gefieder von dannen schwamm. Wir trainierten erstmal ein Packet mit den Kanus zu machen, so dass zwei Schüler das Boot auf dem Wasser tauschen konnten. Bei der nächsten Lektion leerten wir auf See ein beim Kentern vollgelaufenes Boot aus und bestiegen es wieder.

Am nächsten Tag verstauten wir unsere Zelte in wasserdichte Tonnen und beluden unsere Kanus. Dann stachen wir in See. In Mirow fuhren wir durch eine so enge Röhre, dass wir uns zurücklegten und mit den Händen an der Decke das Boot vorantrieben. Im Bek zum Zotzensee wichen wir immer wieder den Yachten und Hausbooten aus. Vom Zotzensee paddelten wir durch einen engen Bek der uns zunächst durch Schilf schließlich wieder durch einen verwunschenen Wald führte. So gelangen wir auf den Mössensee. Am Mössensee suchten wir den Zeltplatz auf. Sogleich bauten wir die Zelte, unser Schelter und die Küche auf. Unser Guide organisierte uns Biergarnituren und schon ging es ans Schneiden vom frischen Gemüse, das herrlich aus der Vespertonne duftete.

Für den nächsten Tag ließen wir die Zelte stehen, so dass wir auf der Rundtour ohne Gepäck und zu dritt im Kanu fahren konnten. Der Mössensee ist ein Ausläufer des Vilzsees. Eine Schleuse trennt den Vilzsee vom Labussee. Zuerst durften die Yachten und Hausboote in die Schleuse, dann durften wir an ihnen vorbei und neben sie in die Schleuse. Das Tor öffnete sich und allmählich wurde die Mauer neben uns höher und höher, bis wir das Niveau des Labussees erreichten. Am Labussee hielten wir an einem Fischstand Mittag, der uns zu einem guten Preis mit Fisch und guter Hausmannskost verwöhnte. Leider begann es zu regnen. Nach dem Gobenowsee kamen wir auf den Rätzsee. Der Wind frischte auf, und wir legten uns ordentlich in die Paddel, um überhaupt noch vorwärtszukommen. Nach hartem Paddeln erreichten wir wieder den Vilzsee und endeten die Rundfahrt.

Die Steife Brise und der Regen setzten uns beim Zelten zu. Zum Glück halfen uns Camper mit Planen aus, damit wir den Innenraum unseres Schelters trocken bekamen. Mit einer schönen Dusche wärmten wir uns wieder auf.

Die Rückfahrt nach Stuttgart unterbrachen wir an der Drachenhöhle in Syrau im Vogtland. Auch wenn die Höhle etwa zeitgleich (100.000 – 50.000 v. Chr.) mit der Landschaft in Mecklenburg entstand, so ist die Kalklinse in der die Höhle liegt, aus dem Devon (450 Mio. v. Chr.). Schöne Tropfsteinformationen, ein kristallklarer See und Sintervorhänge verwöhnten uns. Ein Sintervorhang trug ein Loch, das ein wild umherschießender Offizier zur Zeit der französischen Revolution verursachte.

Axel Nothardt und Ulrike Herb